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Lifestyle

Eine Reise in die Welt des Tees: Indien

Folge uns nach Indien und entdecke mit uns die würzige Heimat von Darjeeling-, Assam-, und Chai-Tee

Veröffentlicht: 13.06.2019 von Felice

Geschichte

Die sehr kurze Geschichte des Tees in Indien

Begonnen hat der Teeanbau in Indien erst vor rund 170 Jahren, auf Veranlassung der britischen Kolonialherren. Da waren die fernöstlichen Teekulturen in Japan oder China schon einige tausend Jahre alt.


Die Anfänge des Indischen Teeanbaus liegen im Botanischen Garten von Kalkutta (Kolkata). Dort gelang es den britischen Botanikern Dr. Wallich und Gordon 1834 erstmals, Stecklinge aus Teesamen zu ziehen, die aus China heraus geschmuggelt worden waren. Jahre zuvor, um 1780, hatte ein britischer Oberst die Ansiedlung der Pflanzen auf indischem Boden schon einmal versucht und war damit gescheitert.

 

Ungefähr um diese Zeit entdeckte der Abenteurer Robert Bruce in den fast undurchdringlichen Regenwäldern der Region Assam, die im damals noch weitgehend unerschlossenen Nordosten des Landes liegt, eine Pflanze, die dem Teestrauch sehr ähnelte. Auch wenn diese Spezies zu bis zu 20 Meter hohen Bäumen heranwächst, hatte Robert die Tropenvariante des Teestrauchs entdeckt. Nur drei Jahre später legte Roberts Bruder damit die ersten Plantagen an. Mithilfe chinesischer Teebauern konnte schon 1837 der erste Tee geerntet werden - und seinen Siegeszug um die Welt antreten. Bereits im Januar 1839 wurden die ersten Kisten mit Tee aus Assam in London versteigert und lösten große Begeisterung bei den Maklern der dortigen Tee-Börse aus.

Darjeeling – der Champagner unter den Indischen Tees

20 Jahre später versuchten die Briten, ihr Kolonialreich von Burma auch auf den gesamten indischen Subkontinent auszudehnen und eroberten Stück für Stück die Südhänge der Himalayaregion. In den Hochtälern von Darjeeling, Terai und Dooars wurden die im Botanischen Garten von Kolkata gezogenen Stecklinge kultiviert. Das Land in den Hochtälern rund um Sikkim wurde dem König des kleinen Königreichs einfach von den Briten abgekauft. Lord Bentinck, der auch schon die  „Assam Tea Company" etabliert hatte, gründete hier eine weitere Gesellschaft zum Vertrieb des Tees: die „Darjeeling Tea Company".

 

Das einzige Problem war es, diese entlegene Region an das bengalische Tiefland anzubinden, um den Tee auf den Markt zu bringen. Dafür bauten die Briten eine der schönsten und spektakulärsten Eisenbahnstrecken der Welt: die Darjeeling Railway. Als sie 1870 fertiggestellt war, vervielfachte sich der Anbau in den Hochtälern noch einmal.

 

Auch im Süden Indiens, in den Nilgiri Hills von Kerala, den so genannten „Blauen Bergen”, wurde mit Stecklingen aus Kolkata ein weiteres Anbaugebiet angelegt. Die klimatischen Bedingungen ähnelten denen im Himalaya-Vorland. Die dortigen Höhenlagen von 800 bis 2000 Metern boten ideale Voraussetzungen. Hier experimentierte der Botaniker Christie mit der Kultivierung der Teepflanzen. 1850 wurden von Cochin aus die ersten Ballen Nilgiri-Tee verschifft.

Anbaugebiete

Darjeeling: Der Champagner unter den Tees

An den südlichen Berghängen des Himalayas gedeihen die Teesträucher des Darjeelings. Kühle Nächte und intensive Sonnenstrahlen geben dem edlen Darjeeling-Tee seine besondere Note. Der unterschiedliche Charakter wird durch die Erntezeit im Jahr bestimmt, man unterscheidet vor allem den First und Second Flush. Es werden überwiegend Schwarztee Sorten produziert, mittlerweile bekommt man aber auch sehr interessante und hochwertige Weiße, Grüne und Oolong Tees aus Indien.

 

Assam: Tee von der feucht-heißen Hochebene

In der Hochebene von Assam mit seinem feucht-heißen Klima erstreckt sich entlang des Brahmaputras über 600 Kilometer das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt. Die Region wird in die Hatimara-, Borengajuli-, Sockieting-, Kondoli- und Hunwal-Regionen unterteilt. Die extreme Luftfeuchtigkeit und tropische Hitze wirken wie ein Booster für das Wachstum der Teepflanzen: Sie gedeihen hier besonders schnell und bringen hohe Ernteerträge. Heute zählt man in Assam ca. 2000 Teeplantagen.

 

Nilgiri: Von den Blauen Bergen kommt der Tee

Im Südwesten Indiens, im hügeligen Hochland der Provinzen Karnataka, Kerala und Tamil Nadu, in den „Blauen Bergen”, liegt neben Darjeeling und Assam ein drittes bedeutendes Anbaugebiet: Nilgiri. Hier wird in Lagen zwischen 800 und 2.000 Metern hauptsächlich Schwarztee angebaut, der dem Ceylon-Tee aus Sri Lanka vom Geschmack her sehr ähnelt. Das Anbaugebiet ist eher kleinteilig strukturiert: Es existieren rund 20.000 Teegärten, die nicht größer als zehn Hektar sind und überwiegend von Kleinbauern bewirtschaftet werden.

 

Weitere kleinere Teeanbaugebiete

Sikkim

Nördlich von Darjeeling an der Grenze zu Bhutan, Nepal und Tibet liegt die Provinz Sikkim. Der Tee, der aus Temi, dem einzigen Teegarten der Region, stammt, ist kräftiger als der berühmte Nachbar.

 

Dooars

Genau zwischen Darjeeling und Assam zu Füßen des Himalaya-Gebirges liegt die Provinz Dooars. Der hier geerntete Tee hat einen hellbraunen Ton und weist einen leicht würzigen, aromatischen Geschmack auf, der an einen Darjeeling Second Flush oder einen kräftigen Assam-Tee erinnert.

Tee aus Sikkim und Dooars spielt in erster Linie eine bedeutende Rolle, wenn es darum geht, den Eigenbedarf Indiens zu decken.

 

Kangra

Das Kangra-Tal liegt im indischen Kaschmir, dort werden kräftige und aromatische Tees produziert.

 

Terai

Südlich von Darjeeling in nur 300 Metern Höhe wird ein Tee von besonders kräftiger Farbe und intensivem Geschmack produziert.

 

Diese Teesorten kommen aus Indien

Darjeeling
Der Tee aus dem Nordosten Indiens zählt zu den wertvollsten Sorten der Welt. Typisch ist das feine, frisch-blumige Aroma, das ihm den Namen „Champagner unter den indischen Tees” einbrachte. Der Second Flush ist geschmacklich sogar noch komplexer: Er ist kräftiger, schmeckt oft nussig und hat in der Tasse eine orange-rote bis braune Farbe.

 

Assam
Seinen Geschmack beschreiben Teekenner als voll, würzig, manchmal sogar malzig. In der Tasse zeigt er eine kupferrote bis dunkelbraune Farbe. Er ist die Grundlage der „Ostfriesen-Mischungen" und des englischen Breakfast-Tees.

 

Sikkim
Der Tee aus dem ehemaligen kleinen Königreich zu Füßen des mächtigen Himalaya ähnelt vom Charakter her dem Darjeeling-Tee, ist aber etwas kräftiger mit etwas mehr Kraft und Körper. Sein Geschmack ist blumig und herb gleichzeitig.

 

Nilgiri
Der Tee aus dem Süden Indiens erinnert an die herb-aromatischen Ceylon-Tees. Zu bestimmten Jahreszeiten entwickelt der Tee von dort sogar eine leichtes Zitrus-Aroma.

 

Teezeremonie

Ganz viel Chai, aber keine Zeremonie

Obwohl das Land der zweitgrößte Teeproduzent der Welt ist, hat sich auf dem indischen Subkontinent keine richtige Teezeremonie gebildet - auch wenn der Teekonsum im Alltag natürlich sehr hoch ist.


Wenn überhaupt, kann man zwei verschiedene Teekulturen erkennen: Zum einen konsumiert die Oberschicht ihren Tee so wie damals die britischen Kolonialherren, zum anderen findet man im Alltag eher „Masala Chai” (Gemischter Tee), einen stark mit Honig gesüßten Tee, dem noch Gewürze wie Kardamom, Zimt, Ingwer, Langkornpfeffer und Kurkuma sowie Milch beigemengt werden.

Nur ganz im Nordwesten Indiens, in der Kashmir-Region, hat sich eine Art eigenständige Teekultur herausgebildet. Dort trinkt man „Kashmiri Chai”, einen herb-würzigen Grüntee namens Khangra mit Safranblüten und grünem Kardamom.

Legenden um die Entdeckung des Tees in Indien

Ähnlich wie in Japan erzählt man sich auch in Indien die Legende vom Fakir Dharma, der angeblich den Tee entdeckte. Dharma hatte einen Eid abgelegt, sieben Jahre einzig und allein seinem buddhistischen Glauben zu widmen. Er wollte die ganze Zeit über meditieren und erst wieder nach Ablauf der Zeit schlafen. Er machte sich auf den Weg nach China, wo der Buddhismus schon stark verbreitet war. Tagsüber wanderte er, nachts meditierte er. Natürlich konnte er dies nicht lange durchhalten, und eines Tages überkam ihn eine bleierne Müdigkeit, als ihm eine besondere Pflanze am Wegesrand auffiel. Er kaute einige von den saftig grünen Blättern und fühlte sich plötzlich wunderbar erfrischt und wach. Seitdem soll er immer eine Handvoll Blätter bei sich getragen haben.

 

Wirtschaftsfaktor Tee: Eine Million Tonnen im Jahr

Indien produziert mehr als eine Million Tonnen Tee jährlich. Das ist „nur” etwa die Hälfte des Tees, der in Chinas geerntet wird und macht Indien damit zur Nr. 2 auf dem internationalen Teemarkt. Für Deutschland war das Land jahrelang auch der zweitwichtigste Handelspartner nach China. Dieses Verhältnis hat sich seit 2016 umgedreht: Seit diesem Jahr wird mehr indischer Tee nach Deutschland importiert als Tee aus China. Laut des “Deutschen Teeverbandes e.V.” wurden insgesamt mehr als 14.649 Tonnen Tee nach Deutschland importiert, aus China kamen etwa 13.653 Tonnen.

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